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EVENTRÜCKBLICK:
ARTURO BRACHETTI – inszeniert seine Leidenschaft fürs Kino
Text: Andrea Beckert; Fotos: Copyright: Paolo Ranzani (14), Andreas Tischler (6)
Arturo Brachetti, der legendäre Meister der flinken Verwandlung, begeisterte erstmals mit sei-
ner Solo Show in der Halle E des Wiener MuseumsQuartiers. Das Publikum durfte sich auf ein kurzweiliges Kino-Film-Zapping, Magie, Poesie, Schattentheater und Zauberei der besonderen Art freuen: Virtuosität, Schnelligkeit und Präzision verbanden sich zu einer atemberaubenden One-Man-Bühnenshow. Mit spitzbübischem Charme, der charakteristisch für ihn ist, ließ der be-
gnadete Italiener Realität und Illusion miteinander verschmelzen. Bei der Wien-Premiere am 21. Dezember dankte ein großteils begeistertes Publikum den Künstlern mit Standing Ovations. |
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Als schnellster Verwandlungskünstler der Welt ist Arturo Brachetti im Guinness-Buch der Rekorde ein-
getragen und feierte mit seinem erstaunlichen Kön-
nen bereits in Paris und London große Erfolge. Aus-
verkaufte Vorstellungen und zahlreiche Auszeich-
nungen sind ein beeindruckender Beweis dafür, dass Arturo Brachetti zu den erstaunlichsten und originellsten Bühnenkünstlern unserer Zeit zählt. Mit „der schnellsten Theatershow der Welt“ zog der charismatische Italiener nun auch das Wiener Publi-
kum in den Bann.
Der Weltmeister der Schnellumziehkunst schöpft seine Inspiration aus der Varieté-Kunst und den al-
ten Kinoklassikern. Er nimmt das Publikum mit auf eine amüsante Reise in seine persönliche Welt des Kinos. Dank seiner blitzschnellen Kostümwechsel und enormen Vielseitigkeit lässt der Verwandlungs-
künstler unterschiedlichste Filmfiguren auferstehen und schlüpft mühelos von einer Rolle in die nächs-
te. Er spielt sowohl melancholische, ironische, melo-
dramatische als auch teilweise sehr komische Rol-
len immer mit der gleichen Leidenschaft. Nichts in seinem 90-minütigen Programm ist zufällig, alles ist extrem penibel strukturiert. Übrigens, für den per-
fekt organisierten Ablauf hinter der Bühne sind elf Assistenten – von denen drei ihm die speziellen Kostüme an- und ausziehen – verantwortlich.
In seiner aktuellen Show, die nur ein Auszug aus seinem immenses Repertoire ist, verkörpert der Italiener rund 80 verschiedene Persönlichkeiten. Mit verblüffender Leichtigkeit mimt er Filmfiguren und Helden des Kinos von gestern und heute und lässt dabei kein Genre aus: Action-, Komödien-, Zeichen-
trick-, Science-Fiction-, Grusel- und große Abenteu-
erfilme – er spielt alle legendären Charaktere exzel-
lent, aber immer nur ganz kurz. Dann verlässt Arturo Brachetti die Bühne durch die eine Tür und betritt dieses wieder durch eine andere. Dazwischen liegt oft nur ein 1 bis 3 Sekunden „langer“ Kostümwech-
sel. Anstelle einer Pause werden zwischendurch kurze Videosequenzen und private Fotos gezeigt, die beweisen, dass er sich schon seit seiner Kind-
heit leidenschaftlich gerne verkleidet hat. Mit dieser perfektionierten Leidenschaft versetzt er jetzt sein Publikum in Staunen. Seine Körpersprache, seine Mimik und jede Handbewegung sind bewusst und elegant gesetzt und auf den punktgenauen Aus-
druck reduziert. Perfekt abgerundet wird die Show mit Musik sowie Ton-, Licht und Spezial Effekten.
Inhalt: Arturo Brachetti entdeckte bereits als Kind die Filme vorm Fernseher. Nun holt er das Kino, eine imaginäre Welt aus großen Träumen und Leiden-
schaft auf ein paar Quadratmeter weißer Leinwand, wieder zurück auf die Bühne. Brachettis Liebeser-
klärung an die Welt des Films beginnt mit dem sug-
gestiven Bühnebild: Der Vorhand öffnet sich für einen überdimensionalen Fernsehbildschirm. Eine Reihe von Vorabendsendungen nimmt darin ihren Lauf. In blitzschnell wechselnden Szenen spielt A die unterschiedlichsten Hauptrollen: Zorro, Mary Poppins mit ihrem zerzausten Schirm, Maciste, Crudelia De Mon, Spiderman u.v.m. treten nachei-
nander auf. Für Action sorgt eine Wild West Schie-
ßerei zwischen Cowboys, dramatisch wird es wenn Piraten aus der Karibik erscheinen und die größten Abenteurer sind ebenfalls mit von der Partie.
Als 5-jähriger besuchte er mit seinem Vater erstmals eine Kinovorführung. Seit damals wollte Klein Arturo Schauspieler werden, wie ein paar nostalgische Vi-
deoaufnahmen und Fotos beweisen. Ein Pate brach-
te dem Elfjährigen die ersten Zauberkunststücke bei. Seither ist die Kombination aus Zauberei und Kostümverwandlung seine Berufung. Mit dem alten Filzhut seiner Großvaters imitierte er schon damals alles aus dem Fernsehen: D’Artagnan, Cowboy Jone Wayne, Don Camillo, Torrero, Lord Nelson, sogar Big Ben in London, Casanova, Capten Hook, ein Baby, die Heilige Katharina, einen russischen Zaren, Will-
helm Tell, Prinz Charles, Liz Taler in Kleopatra, Scar-
lett Ohara aus „Vom Winde verweht“, Napoleon und viele mehr. Mit nur wenigen Gesten und Mimik stellt er 25 alte und hässliche sowie junge und niedliche Charaktere auf der Bühne brillant dar.
Auch die Besuche mit seinem Vater im Lichtspielmu-
seum in seiner Geburtsstadt Turrin hinterließen blei-
bende Spuren, vor allem in der Abteilung „Horror“ stöberte er als Teenager am liebsten. In seinem pri-
vaten „Museum des Horrors“ erwachen zu Mitter-
nacht unheimliche Figuren zum Leben. Und so kom-
mt es zum höchst amüsanten Aufeinandertreffen des Priesters aus „Der Exorzist“ mit Nosferatu, der wiederum vom Totengräber bedrängt wird. Der Killer aus „Halloween“ erhebt sein Messer gegen das be-
sessene Mädchen, doch verliert er dabei seinen Kopf – der ihm bald darauf zwischen den Knien hän-
gt. Arturo Brachetti bringt Gemälde zum Sprechen, |
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Tische zum Schweben und Geister zum Verschwin-
den – wie in jedem ernst zu nehmenden Gruselfilm.
Durch Schwarz-Weiß-Stumm-Filme von Lon Chaney, auch er ein „Mann der 1000 Gesichter“ und Pionier der Maskerade, entdeckte Arturo Brachetti in seiner Jungendzeit die großen Hollywood-Schauspieler. In einer berührenden Retrospektive lässt Arturo durch rasante Kostüm- und Maskenwechseln nochmals die Ikonen des Films auferstehen, unter ihnen Baby Jane, Das Phantom der Oper, Quasimodo aus „Der Glöckner von Notre Dame“, Fu-Manchu…
Der Künstler Brachetti zog mit 20 Jahren in die Stadt seiner Träume: nach Paris. Laut eigenen Angaben hatte er damals nicht einmal genug Geld fürs Kino. Daher vergnügte er sich alleine in seinem kleinen Zimmer mit dem ältesten Kino der Welt: dem Schat-
tenspiel. Mit seinen geschickten Händen zaubert er verblüffend realistische Darstellungen auf die Lein-
wand: vom Eiffelturm, über Menschen und Hase, sterbenden Schwan, Vögel, bellende Hunde, Katze, Schaf, Esel bis hin zum Elefanten. Für sein exzellen-
tes Können gab es viel tosenden Applaus.
Zum Abschluss des ersten Teils verratet der Meins-
ter ein kleines Geheimnis: Der entscheidende Mo-
ment in seinem Leben war am 13.10.1979 als er erst-
mals „8 ½“ von Federico Fellini im Kino sah. Arturo: „Unsere einzige Grenze ist unsere Vorstellungs-
kraft. Grazie Federico Fellini!“ Die italienische Film-
legende brachte einst das Theater auf die Lein-
wand, und Brachetti bringt dessen Leinwandkunst wieder zurück auf die Bühne. Sein künstlerisches Idol würdigt der 54-jährige Italiener mit einer berüh-
renden Hommage und zeigt in flott aufeinander fol-
genden Szenen eine beachtliche Anzahl an Fellini-
Werken. Zugegeben, dieser Showblick ist nur für echte Filmexperten interessant, sofern man seine Filme kennt und die jeweiligen Bilder und Charak-
tere zuordnen kann, z.B. wenn ein Ozeandampfer aus „Fellinis Schiff der Träum“ die Bühne quert.
Statt einer Pause präsentiert eine kleine Auswahl an fast schon nostalgischen Fotos, in denen er sich nach beliebten und bekannten Modelle verkleidete, zum Beispiel als: seine kleine nette Familie in „Pate 2“, seine Tante, seine Großmutter, eine Signorina (eine Frau mit ihrem kleinen Wehrwolf), als Audrey Hepburn in „Breakfast at Tiffany's“, Don Camillo, seine Mutter in „Der Teufel trägt Prada“, den Bürger-
meister als großen Diktator und viele mehr.
Bevor es weitergeht bittet er das Publikum während des nächsten raschen Kostümwechsels bis 10 zu zählen: 1, 2, 3, 4, 5 – schon fertig! ;-)
Er hat schon alles in seiner Karriere gedreht: von alten Klassikern bis zur Weltmacht, von Neorealisten bis zum japanischen Film. Drei Monte verbrachte er in Hollywood, dem Mekka im Show-Business. Doch es wahr nach eigenen Angaben eine fade Zeit, da-
her träumte er weiter in einem imaginären Film alles zu spielen: vom Helden bis zum Schurken, vom gro-
ßen Star bis zum kleinen Statisten, and action: Der Italiener imitiert Charlie Chaplin, spielt James Bond in „Goldfinger“, als Gott verkleidet bringt er 15 – hop-
pla – die 10 Gebote, zu den Klassikern gehört „The Sound of Music“, Arturo verzaubert als Judy Garland in „Der Zauberer von Oz“, steigt als Liza Minnelli in „Cabarett“ aus der Holzkiste, tanzt wie Gene Kelly in „Singin’ in the Rain“, spielt benahe simultan Ingrid Bergmann und Humphrey Bogart in „Casablanca“, verkleidet sich als King Kong, Shreck und E-.T., be-
tört als Carmen Miranda, der „Chiquita Banana Song“ ist ihm wie auf den Leib geschneidert, verschwindet als Schneewittchen und betritt drei Sekunden spä-
ter als Gollum aus „Der Herr der Ringe“ wieder auf, um nur einige Charaktere aus großen Hollywood-
Streifen zu nennen.
Nach rund 60 Kostümwechseln und magischen Tricks endet die Show des magischen Verwand-
lungskünstlers in einer poetischen Danksagung an die Requisiten und Gesten, die sich zwischen den Kulissen der Filme in unser Gedächtnis gespielt ha-
ben: Der Mond von Méliès, Tarzans Schrei, das Fahr-
rad von E.T., die Brille von Woody Ellen… , danke an alle Regisseure, Billy Wilder, Osten Wales, Disney, Federico Fellini…, danke dem Publikum, dem Publi-
kum das die Stars macht, dem Publikum dass un-
sterblich macht, danke! In diesem magischen Mo-
ment zaubert Herr Brachetti aus seiner Handfläche heraus einen kleinen Konfetti-Schneesturm und er-
scheint zum Abschlussapplaus ein letztes Mal im neuen Outfit.
Für einige sichtlich beeindruckte Besucher war das abrupte Ende ohne spektakuläre Kostümwechsel-
Zugabe ein wenig enttäuschend, dennoch dankte das Premierenpublikum mit einem kurzen tosenden Applaus und Standing Ovations. |
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