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Einen Jux will er sich machen
COVERSTORY: EINEN JUX WILL ER SICH MACHEN – ein rundum gelungene Septemberproduktion!
Text: Andrea Beckert, Sujet: Clemens Künzel, Fotos: Barbara Palffy (11), Gerhard Maly (13)

Kottingbrunn / Wien, 02.09.2023. Dieses Jahr steht bei der Septemberproduktion in der Kulturszene Kottingbrunn ein besonders beliebter Nestroy-Klas-siker auf dem Spielplan: „Einen Jux will er sich machen“. Johann Nepomuk Nestroys turbulente Komödie ist ein Garant für beste Unterhaltung. Neben Nestroy-typischen Wort- und Sprachwitz sorgten bei der Premiere auch aberwitziger Slapstick, pointierte Satire und nicht zuletzt die aktuellen Couplets mit so manchen bissigen Anspielungen auf Gesellschaft und heimische wie internatione Politiker für jede Menge Lacher. Das Premierenpublikum war von Anselm Lipgens‘ Inszenierung und den Profi- und Amateurschauspieler*innen jedenfalls begeistert. Prädikat: höchst vergnüglich!
Über das Stück:
„Einen Jux will er sich machen“ ist eine Posse mit Gesang in vier Aufzügen von Johann Nestroy und wurde am 10. März 1842 im Theater an der Wien uraufge-führt. Als Meister der Sprachkunst hält Nestroy in Dialekt und Hochsprache den menschlichen Schwächen einen Spiegel vor. Die Themen haben nichts an Aktua-lität verloren und sein Witz und seine Wortspiele begeistern bis heute das Publi-kum. Grund genug für die Kulturszene Kottingbrunn das beliebte Nestroy-Stück als 27. Septemberproduktion auf die Bühne im Wasserschloss zu bringen.

Inhalt:
Der eitle Gewürzkrämer Zangler (Georg Kusztrich) stellt seinem braven und soli-den Handelsgehilfen Weinberl (Leopold Dallinger) in Aussicht, Associé, also Kompagnon zu werden und lässt ihn auf diese Ankündigung hin für ein paar Tage allein im Geschäft. Weinberl überdenkt aufgrund des eröffneten Aufstiegs sein bisheriges Leben und kommt zu der Erkenntnis, einmal ein „verfluchter Kerl“ sein zu wollen. Also sperrt er das Geschäft zu und reist gemeinsam mit dem Lehrbuben Christopherl (Enisa Meindl) in die nahe gelegene Hauptstadt. Dort laufen sie aber beinahe Zangler, der seine zukünftige Gattin besucht, in die Arme und fliehen vor ihm ins Modewarengeschäft der Madame Knorr (Ingrid Spörker), wo sie auf die Witwe Frau von Fischer (Gabriele Mattehs) treffen. Ab diesem Moment stolpern die beiden von einem Abenteuer in das nächste. Ver-wicklungen und Turbulenzen sind die Folge.
Marie, Zanglers Mündel (Anna Täuber) und ihr vom Vormund nicht goutierten Liebhaber August Sonders (Jona Babovic) wollen fliehen.
Bei Zanglers Schwägerin Fräulein Blumenblatt (Eva Weissenböck) geben sich Weinberl und Christopherl als Marie und August aus, bis diese beiden, sowie Zangler, Madame Knorr, Frau von Fischer und Melchior, Zanglers neuer Haus-knecht (Franz Schiefer) ebenfalls dort eintreffen. Mit knapper Not entkommen Weinberl und Christopherl und kehren zum Geschäft zurück. Dort ertappen sie die Einbrecher Rab (Astrid Krizanic-Fallmann) und Kraps (Heinz Scharb) auf fri-scher Tat und werden dafür von Zangler belobigt.
Wird Weinberl der Frau von Fischer einen erfolgreichen Heiratsantrag macht? Wie steht es am Ende um Weinberls Sehnsucht nach einem Ausbrechen aus dem gewohnten Leben? Das Happy End wird hier nicht verraten – das ist klassisch! ;-)

Fazit über die Premiere:
Kann ein (das liebevoll gemeint) „Piefke“ Nestroy inszenieren? Ja, kann er – vor-ausgesetzt, er heißt Anselm Lipgens. Unter seiner herausfordernden Regie pas-st einfach alles perfekt zusammen: Tempo, Sprachwitz, Pointen und Timing. Kostüme von Katharina Kappert und Maske von Jolanta Kögler unterstrichen die jeweiligen Charaktäre zusätzlich. Falls gerade keine große Drehbühne zur
  Verfügung steht, dann baut man für jede Situation einen eigenen Spielort. Dies dachten sich offensichtlich Nora Stamminger (Bühnenbild) und Günter Kolbert (Bühnenbau), die für die Schauspieler*innen eine dreiteilige Bühne schufen.
Das ganze Ensemble stand wie immer mit großer Spielfreude auf der Bühne. Georg Kusztrich gab den eitlen, griesgrämigen Zangler, ein Gewürzkrämer in einer kleinen Stadt, zum Besten. Köstlich amüsiert stolperte Leopold Dallinger als Weinberl, der Handlungsdiener bei Zangler, bei seinem Versuch, aus dem trüben Alltag auszubrechen und wenigstens einmal im Leben ein „verfluchter Kerl“ zu sein, von einem Abenteuer in das nächste. Szenenapplaus bekam er für seine Couplets, bei denen er nicht mit Spott an der Gesellschaft und einigen Politikern sparte. Enisa Meindl spielte als Christopherl, Lehrjunge bei Weinberl, ihr spitzbübisches Talent aus. Walburg Weissenböck überzeugte als hantige Frau Gertrud, Wirtschafterin bei Zangler. Heinz Scharb trat in einer Doppelrolle als Kraps, Hausknecht bei Zangler, und als Lohnkutscher auf. Aufs Wunderbars-te schlüpfte Franz Schiefer in die Rolle des Melchior, ein vazierender Haus-knecht bei Zangler, der bei fast jeder Gelegenheit sein Lieblingszitat sagte: „Ja, das ist klassisch!“ Anna Täuber als Marie, Zanglers Nichte und Mündel, und Jona Babovic als August Sonders waren ein entzückendes Liebespaar, Johanna Kusztrich mimte Hupfer, eine Schneiderin, die die Festtagsjacke für Zangler viel zu eng nähte. Ingrid Spörker als Madame Knorr, Modewaren-Händlerin in der Hauptstadt, und Gabriele Mattehs als Frau von Fischer, Witwe, hatten sichtlich viel Spaß auf der Bühne. Eva Weissenböck war in ihrer Rolle als Fräulein von Blumenblatt, Zanglers Schwägerin, geradezu genial. Yara Winter verrichtete als Stubenmädchen Lisette ihren Dienst bei Fräulein von Blumenblatt. Martin Hauer verkörperte einen Hausmeister und einen Wächter. Astrid Krizanic-Fallmann hatte als Gauner Rab nur einen kurzen Auftritt. Auf der Bühne waren auch Stella Gros als Philippine, Putzmacherin, Simon Stadler-Lamisch als erster Kellner so-wie Konstantin Weissenböck als zweiter Kellner zu sehen. Gerhard Hrubes be-geisterte als Kaufmann Brunninger und sorgte als fabelhafter Gitarrist für die musikalische Untermalung zwischen den Szenen.
Kurz gesagt: Die Premiere Freitagabend war ein voller Erfolg. Möglich machte das, die Leistung des gesamten Teams der Kulturszene Kottingbrunn auf und hinter der Bühne. Ja, das ist klassisch!

UNISEX-Bewertung: 4,5 von 5 Punkte

Einen Jux will er sich mache
01. (Premiere) – 03., 08. – 10., 15. – 17. & 22. – 24.09.22, Kulturszene Kottingbrunn, Kulturwerkstatt

Schloß 1, 2542 Kottingbrunn
Karten und Infos: www.kulturszene.at
Georg Kusztrich und Walburg Weissenböck Georg Kusztrich und Franz Schiefer Franz Schiefer, Johanna Kusztrich und Georg Kusztrich
Leopold Dallinger und Gerhard Hrubes Enisa Meindl und Leopold Dallinger Jona Babovic und Anna Täuber
Franz Schiefer, Georg Kusztrich und Heinz Scharb Stella Gros, Ingrid Spörker, Leopold Dallinger und Enisa Meindl
Ingrid Spörker und Leopold Dallinger Enisa Meindl, Leopold Dallinger, Ingrid Spörker und Gabriele Mattehs Leopold Dallinger und Gabriele Mattehs
Gerhard Hrubes Franz Schiefer Jona Babovic und Anna Täuber Georg Kusztrich und Enisa Meindl
Ingrid Spörker, Enisa Meindl, Leopold Dallinger, Gabriele Mattehs, Franz Schiefer und Georg Kusztrich Ingrid Spörker, Enisa Meindl, Franz Schiefer, Simon Stadler-Lamisch, Leopold Dallinger und Gabriele Mattehs
Eva Weissenböck Leopold Dallinger, Eva Weissenböck, Franz Schiefer, Jona Babovic, Enisa Meindl und Yara Winter
Martin Hauer, Eva Weissenböck, Anna Täuber, Georg Kusztrich, Ingrid Spörker und Gabriele Mattehs Leopold Dallinger und Enisa Meindl
Franz Schiefer und Martin Hauer
Enisa Meindl und Leopold Dallinger Heinz Scharb und Astrid Krizanic-Fallmann