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COVERSTORY: DER TOD – Interview mit einer durchaus humorbegabten Gestalt!
Text:Andrea Beckert; Fotos: VDW / Deen van Meer

Der Tod gehört zum Leben – nicht nur zu Halloween, Allerheiligen und Allerseelen. Er spielt in vielen Theaterstücken, Filmen und sogar Musicals die Hauptrolle, zahlreiche Lieder über den Tod wurden zu Welthits. Dennoch leidet der „Quiqui“ (ausgesprochen Gwigwi), wie er im Urwienerischen liebevoll genannt wird, unter seinem negativen Ruf. Dies soll sich nun mit einer Image-Kampagne ändern – auf der Kabarettbühne.
Zugegeben, es ist ein Klischee, aber dem Wiener sagt man eine besondere Affinität zum Tod nach. Darum ist es nur naheliegend, dass der Sensenmann auch nach Wien kommt, um am 19. November 2019 auf der Kabarettbühne der Kulisse seine Wien-Premiere zu feiern. Aus diesem Anlass stand diese schaurige, aber durchaus humorbegabte „Gestalt“ Rede und Antwort.
Ein Interview mit dem Tod? Zugegeben, das mag durchaus ungewöhnlich und auf dem ersten Blick makaber klingen, doch die Neugierde überwiegt. Wie ist sein Charakter? Was macht er den ganzen Tag lang? Hat er Hobbys? Wie dunkel ist sein Humor wirklich? Und ich habe noch viele Fragen an den Tod. So nahm sich die ganz in Schwarz gehüllte Gestalt und Star der Death Comedy-Szene höchstpersönlich Zeit und stand Rede und Antwort...
Der Tod Der Tod
Guten Tag! Vorab, wie sprechen Sie Ihre Kunden, Gesprächspartner am liebsten an, bevorzugen „Sie“ oder „Du“?
Wir können uns ruhig duzen. Wir sehen uns ja eh später nochmal wieder, dann haben wir die Förmlich-
keiten bereits hinter uns.

Sehr gerne, Du meinst sicherlich mit „Wiedersehen“ bei Deiner Wien-Premiere am 19. November in der Kulisse. – Um mehr über Dich, als Person, Deinen Charakter zu erfahren, bitte ich Dich, die folgenden Sätze zu vervollständigen. Diese drei Worte beschreiben mich am besten:
lebensfroh, pünktlich, zuverlässig.

Ich bin Experte in ...
Nachhaltigkeit.

Ich habe eine Schwäche für ...
Wagemut und Risikobereitschaft.

Am liebsten höre ich mein Lieblingslied
„Killing Me Softly“, „Time To Say Good-
bye“, „Who Wants To Live Forever“, da gibt es einige tolle Songs.

Stimmt, da fallen mir noch „Es lebe der Zentralfriedhof“ von Austro-Pop-Legende Wolfgang Ambros und der EAV-Hit „Der Tod“ ein. – Mein großes Vorbild ist ...
mein Gevatter.

Meine Mutter sagt immer, ...
beim Töten wird nicht gelesen, bring nicht alle auf einmal um, hier sieht's aus wie bei Hempels unterm Grabstein. (*)

Das Beste im Leben vom Tod ist, ...
dass mein Job zukunftssicher ist.

Viele Menschen haben Angst vor dem Tod. Wovor hat der Tod Angst?
Neulich musste ich durch eine dunkle Gasse, richtig unheimlich. Das Licht hat geflackert, der Wind gepfiffen. Ich hätte mir fast in die Kutte gemacht. Da hab ich aber zum Glück, einen älteren Herren ein paar Schritte vor mir ent-
deckt. Das hat mich erleichtert, zu zweit ist man sicherer. Aber als ich auf den zugegangen bin, wurde der immer schneller. Ich dachte, da wäre irgend-
Der Tod auf der Reise auch schon mal Witze wie: „Sitzen zwei Skelette auf nem Baum. Fällt eins runter. Beide tot.“ Wenn man erstmal tot ist, sieht man vieles gelassener.

Lach! Du bist um Deinen schwarzen Humor zu beneiden. – Wie erholst Du dich nach der knochenharten Arbeit?
Es ist schwierig für mich, mal die Gebeine hochzulegen. Gestorben wird immer. Faulenzen kann man, wenn man Tod ist? Von wegen...

Sehr fleißig! Was ist eigendlich Dein Lieblingsgericht?
Das jüngste Gericht.

Okay, das war jetzt aufgelegt. – Hast Du auch Hobbys?
Wenn ich jetzt sage, ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht, wirkt das wahrscheinlich etwas verstörend, oder?

Ja, ein bisschen. – Dein Lebensmotto:
Das Beste kommt zum Schluss!

Was sollen Deine letzten Worte sein?
Das sowas ausgerechnet mir passiert.

Hast Du abschließend noch eine Botschaft an Deine „Kunden“ / „Fans“?
In Mexiko und in vielen Ländern Afrikas werden Beerdigungen oft fröhlich und laut gefeiert. Das liegt daran, dass man nicht hauptsächlich darum trauert, dass der Verstorbene gehen musste, sondern weil man sich freut, dass man überhaupt Zeit mit ihm verbringen durfte. Das ist nur ein kleines Umdenken, was aber am Ende viel bewirkt. Für die Gehenden und die Bleibenden. Das nur als kleiner Denk-
anstoß zum Ende.

Stimmt! Das sind schöne und berüh-
rende Schlussworte. Vielen Dank für das nette Interview.

Danke!

*) Redewendung: Hier sieht's aus wie bei Hempels unterm Bett oder Sofa.
Bedeutung: Hier sieht es schmutzig, unordentlich, unaufgeräumt, chaotisch aus.

Tipp: Weitere Informationen und Tour-Termine unter www.endlich-tod.de
was Gruseliges hinter mir und bin auch schneller geworden. Und dann dreht er sich um und fängt an zu schreien. Ich hätte vor Schreck fast die Sense fallen gelassen. Wir sind da ewig schreiend weggerannt, keine Ahnung vor was, aber ich hatte echte Todesangst.

Nachvollziehbar, alleine durch eine dunkle Gasse will wohl niemand gehen. Aber Wien ist eine ziemlich sichere Stadt. – Was wolltest Du als Kind werden? War Tod Dein Wunschberuf?
Tatsächlich wollte ich erst Sanitäter werden. Ja, ich wäre fast auf die schiefe Bahn geraten. Meine Rettungs-
versuche haben aber schon meine spätere Laufbahn erahnen lassen (Woher soll ich wissen, dass bei einer Herzmassage das Herz drinbleibt?), sodass ich mein Talent irgendwann zum Beruf gemacht habe.

Wie darf ich mir einen typischen Tagesablauf vom Tod vorstellen?
Er unterscheidet sich nicht vom Nacht-
ablauf, ich bin ständig unterwegs. Tod ist ein Knochenjob. Aber ich will nicht meckern, man kommt viel rum und man macht was mit Menschen.

Welche Ausrede hörst Du meisten, wenn Du einen „Kunden“ abholst?
Oh, da gibt es viele: „Ich bin der Nach-
bar, ich gieß hier nur die Blumen.“ oder „Ich bin total erkältet und über-
haupt nicht reisefähig.“ oder auch
„Passt gerade gar nicht, habe eben Nudeln aufgesetzt.“ Menschen werden am Lebensende sehr kreativ.

Die Ausrede mit dem Kochen könnte von mir sein. Du trittst auch als Allein-
unterhalter auf. Was ist für Dich das Besondere, auf der Bühne zu stehen?

Ich erreiche endlich auch lebende Menschen, um mein Image zu ver-
bessern. Der Nachteil an meinem „normalen“ Job ist ja, ich kann so gut und kundenorientiert arbeiten wie ich möchte, es kriegt ja im Diesseits einfach keiner mit. Deshalb ist das Bühnen-Programm ein großer Sensen-
schnitt in die richtige Richtung.

Dein Markenzeichen ist die schwarze Kutte. Wie wichtig ist Dir Mode?
Ich achte schon darauf immer tod-
schick aufzutreten. Schwarz ist zeitlos und im Jenseits noch immer der letzte Schrei. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Ich stelle mir den Job vom Tod eher ernst vor, wenn man nicht beachtet wird. Wie oft und worüber lachst Du?
Nein, mein Job ist tatsächlich nicht so ernst, wie man annehmen mag. Die Meisten sind nach dem Tod sehr ent-
spannt und losgelöst. Schwierig und traumatisch sind eher Momente im Leben, traurig wird es für die Hinter-
bliebenen. Ich dagegen hole nur die Seele ab und führe sie auf eine span-
nende neue Seite. Da erzählt man sich