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EVENT-TIPP: PYGMALION – köstlich amüsierter
Klassen- und Geschlechterkampf auf der Bühne!

Text: Andrea Beckert, Fotos: Harald Brutti (1), Barbara Palffy (6)

Wien, 0309.2021. Die Kulturszene Kottingbrunn gilt als „kultureller Nahver-
sorger“ im Bezirk Baden in Niederösterreich. Wer Theater in seiner reinen Form sehen möchte, der ist diesen September hier genau richtig. Denn unter der Regie von Anselm Lipgens beweist das Ensemble bestehend aus Profi- und AmateurschauspielerInnen mit „Pygmalion“ einmal mehr, was man mit Engagement, Hingabe und Fleiß auf der Bühne erreichen kann. Die wohl bekannteste und wunderbar bissige Komödie des scharfzüngigen Dramatikers und Sozialsatirikers George Bernard Shaw, die als Vorlage für das beliebte Musical „My Fair Lady“ diente, feierte am 3. September 2021 eine umjubelte Premiere. „Pygmalion“ wird noch bis 26. September 2021, jeweils Freitag bis Sonntag, im Wasserschloss Kottingbrunn aufgeführt. Prädikat: Wertvoll!
  Ensemble
Inhalt:
Das arme, aber gewitzte Blumenmäd-
chen Liza Doolittle hat es schwer im Leben, sie wird von der Gesellschaft schlecht behandelt, kaum jemand schenkt ihr Beachtung. Nur Prof. Henry Higgins, der sein Leben der Phonetik, der „Wissenschaft der Aussprache“ widmet, wirft einen Blick auf das junge Mädchen. Denn er kann aufgrund des Dialektes die Herkunft eines Menschen bestimmen. Und Liza ist mit ihrer Gos-
sensprache das perfekte Forschungs-
objekt für ihn.
Am nächsten Morgen erscheint Liza unangekündigt in Professor Higgins Wohnung, wo auch Oberst Pickering gerade anwesend ist, und bittet ihn um Unterrichtsstunden. Sie möchte in einem richtigen Blumenladen arbeiten können und daher eine vornehmere Aussprache lernen. Prof. Higgins sieht eine Möglichkeit, sein Können unter Beweis zu stellen. Der selbstherrliche Sprachwissenschaftler wettet mit sei-
nem Freund Oberst Pickering, dass er in wenigen Monaten Liza der „feinen Gesellschaft“ als Herzogin vorstellen könne, indem er ihr beibringt, schön zu sprechen und sich richtig zu beneh-
men. Mrs. Pearce, Higgins Haushälter-
in, führt Liza in das neue luxuriöse Leben ein und kümmert sich um das junge Mädchen.
Bei Frau Higgins, der Mutter des Pro-
fessors, ist Besuchstag. Beim Probe-
lauf, ob ihre Sprache und ihr Beneh-
men schon gesellschaftsfähig sind, sind noch Probleme erkennbar. Einzig Higgins’ Mutter ist besorgt, was mit Liza geschehen werde, wenn das Pro-
jekt zu Ende sei.
Fünf Monate später kehren Professor Higgins, Oberst Pickering und Liza von einer Gartenparty zurück. Liza hat sich dort wie eine feine Dame, eine echte
Herzogin, benommen, Higgins damit seine Wette gewonnen. Er lässt seiner Freude über das Ende des geglückten Experiments freien Lauf mit den Wor-
ten: „Gott sei Dank, es ist vorbei!“ Der Streit eskaliert. Liza wirft ihm vor, er habe sie nur für sein Experiment ge-
braucht, nun sei sie wertlos für ihn. Higgins kontert, sie könne ja heiraten oder einen Blumenladen eröffnen.
Inzwischen wird der Besuch von Lizas Vater, Alfred Doolittle, angekündigt. Er taucht überraschend in feinem Hoch-
zeitsanzug auf und ist wütend, denn der reiche, verstorbene US-amerikani-
sche Philanthrop Ezra D. Wannafeller habe ihm, Doolittle, eine Pension von 3.000 Pfund jährlich hinterlassen. Dar-
aufhin habe Doolittle sich gezwungen gefühlt, in den Mittelstand einzutreten, darüber sei er jetzt recht unglücklich.
Ihr „Lehrmeister“ behandelt Liza nicht viel besser als ein Dienstmädchen, die inzwischen für seinen Tagesablauf und seine Ordnung unentbehrlich ist. Am Ende des Stücks kommt es zu einem langen, emotionalen Gespräch zwi-
schen einer strahlenden und selbstbe-
wussten Liza und dem engstirnigen Prof. Higgins. Auf die Frage hin, was aus ihr werden solle, droht sie, als Aussprachelehrerin zu arbeiten. Liza verlässt ihn. Das Stück endet mit Higgins’ Lachen und den berühmten Worten: „Mein Gott, jetzt hat sie‘s.“

Fazit:
Mit der bereits 25. September-Produk-
tion weiß das erfahrene Team rund um Obfrau Irene Künzel zu begeistern und sorgt auch 2021 für einem sicheren und köstlich amüsierten Kulturgenuss in der Kulturszene Kottingbrunn. Denn in „Pygmalion“, der Vorlage zu „My Fair Lady“, werden Prof. Henry Higgins und Liza Doolittle kein Liebespaar. Dafür
wird die ursprüngliche Sozialsatiere über die feine englische Gesellschaft von George Bernard Shaw durch hitzi-
ge Denk- und Sprachduelle zu Drama und Komödie.
Die umfangreiche Inszenierung von Regisseur Anselm Lipgens ist groß-
artig, das siebenköpfige Ensemble ebenso. Jedes Mal, wenn die beiden Hauptdarsteller – Samantha Steppan als arme Liza Doolittle und Max G. Fischnaller als egozentrischer Sprach-
professor Higgins – aneinandergerie-
ten, ging es auf der Bühne amüsant und temperamentvoll zu. Mit gekonnt gesetzten Nuancen in Mimik, Gestik und Aussprache verkörperte Samantha Steppan die arme Blumenverkäuferin Liza Doolittle, die sich im Laufe des Stücks vom energischen und ehrgeizi-
gen jungen Mädchen mit vulgärer Sprache, in eine selbstbewusste, feine Dame verwandelte. Max G. Fischnaller überzeugte als Prof. Henry Higgins, ein lebenslanger Junggeselle, der in Liza lediglich seine Schöpfung, ein sprach-
liches Kunstwerk, sah. Ingrid Spörker bewies als mitfühlende Mrs. Higgins, Prof. Higgins‘ charakterstarke Mutter, Moral und sorgte sich überzeugend um Lizas Zukunft. Georg Kusztrich verkörperte einen strammen Oberst Pickering, der im Gegensatz zu Prof. Higgins Liza immer gut und mensch-
lich behandelte. In der facettenreichen Rolle von Alfred Doolittle ging Franz Schiefer vollkommen auf, der als Müll-
kutscher in den Mittelstand aufstieg und trotz mehr Geld recht unglücklich war. Nicole Gerfertz-Schiefer als Prof. Higgins Haushälterin Mrs. Pearce und Johanna Kusztrich als Stubenmädchen bei Mrs. Higgins zeigten auf der Bühne
ebenfalls ihr Können.
Die detailreichen Kostüme wurden von Katharina Kappert gestaltet und heb-
ten die Klassenunterschiede optisch hervor. Diana Auer hat für Anseln Lipgens Inszenierung ein simples Büh-
nenbild geschaffen, welches mit spär-
licher Ausstattung (einer drehbaren Couch, einem Sessel und ein paar Vor-
hängen im Hintergrund) maximale Atmosphäre schaffte.

Der lange Theaterabend voller Sprach-
witz und Tiefgang ist ziemlich schnell vergangen, dies ist somit ein Indiz da-
für, dass es sich bei der diesjährigen Septemberproproduktion „Pygmalion“ um ein kurzweiliges und humorvolles Stück handelt. Am Ende gab es vom begeisterten Publikum höchst verdien-
ten Applaus für das gesamte Team.

Übrigens:
In der Kulturszene Kottingbrunn kann man Kultur auch im Sektglas konsu-
mieren. Bereits zum fünften Mal wur-
den KünstlerInnen eingeladen, für den Haussekt die aktuelle „KulturFrizz“-
Etikette zu gestalten. Das diesjährige Thema lautete „Engagement“. Der „KulturFrizz“ mit Petra Hendlers Etiket-
te wird seit September ausgeschenkt.

03. (Premiere) – 05., 10. – 12., 17. – 19. & 24. – 26.09.21, Kulturszene Kottingbrunn, Kulturwerkstatt
Schloß 1, 2542 Kottingbrunn
Beginn Fr. & Sa.: 19:30 Uhr
Beginn So.: 18:00 Uhr
Kartenreservierung: Tickets sind telefonisch unter +43 (2252) 743 83, per Mail an office@kulturszene.at und unter www.kulturszene.at erhältlich.
Max G. Fischnaller, Georg Kusztrich und Samantha Steppan Max G. Fischnaller, Ingrid Spörker und Georg Kusztrich
Georg Kusztrich und Franz Schiefer Max G. Fischnaller und Samantha Steppan Samantha Steppan und Franz Schiefer
Ingrid Spörker und Samantha Steppan
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