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    KONZERTRÜCKBLICK: MILES MOSLEY – der sympathische US-Saiten-
Virtuose gastierte in Wien!

Text und Fotos: Andrea Beckert

Wer auf der Suche nach virtuoser zeitgenössischer Musik ist, sollte einen Blick auf die Jazzszene in und um Los Angeles werfen. Dabei sticht das kalifornische Kollektiv „The West Coast Get Down“ hervor, dem Miles Mosley seit vielen Jahren angehört. Der Kontrabassist, Komponist und Sänger hat seine musikalischen Finger bei so ziemlich allem im Spiel, was die kreative Musikszene von Los Angeles in jüngster Zeit hervorgebracht hat. Wegen seinem einzigartigen Stil und seinem exzessiven Bass-Sound wird er gerne mit Jimi Hendrix verglichen.
Der Name Miles Mosley ist mittlerweile auch in Wien längst ein Begriff. Am 3. Juli war der amerikanische Fusionmusiker mit seiner famosen Band im Rahmen des Jazz Fest Wien im ausverkauften Porgy & Bess zu Gast. 20 Konzertfotos...
Miles Mosley Miles Mosley Miles Mosley Miles Mosley Miles Mosley Cameron Graves

Miles Mosley

Montagabend stand ein Ausnahmekünstler der kalifornischen Jazzmusik im Rampenlicht des Wiener Jazz Clubs Porgy & Bess. Miles Mosley betrat mit Barett und Sonnenbrille die Bühne im zum Bersten vollen Jazzclub im Herzen der Wiener City und heizte den Publikum mit groovendem Sound ein. Die fantastischen Songs stammten größtenteils aus dem am 19. Mai veröffentlichten neuen Album „Uprising“ („Aufstand“).

Miles Mosley eröffnet den Abend mit wuchtigen Klängen von „Open Sesame“, einer Nummer von Kool & The Gang. Die musikalische Entfesselung gelang mit „Young Lion“. Und der Kalifornier ist auch ein humorvoller Geschichtenerzähler: „Mein Vater hat mir gesagt, ich soll mehr Bass spielen und nicht dauernd singen – schließlich hat er so viel Geld in meine Bass-Stunden investiert.", meinte er augenzwinkernd. Und verzauberte das Publikum gleich mit einem grandiosen, jazzigen Kontrabass-Solo. Nach „Reap A Soul“ navigierte Miles Mosleys kraftvolle Stimme in „More Than This“ geschickt zwischen realistischem Zweifel, Enttäuschung und kämpferischer Entschlossenheit. Den sozialen Aufstieg in den USA machte der smarte Künstler im Song „Shadow Of Doubt“ zum Thema. Eines von vielen Highlights war auch die von ihm gesungene Ode an seine Heimatstadt „L.A. Won´t Bring You Down“. Nach eigenen Angaben lernte er seine Stadt durch zahlreiche Umzüge während seiner Kindheit und Jugend von allen Seiten kennen. In diesem Aufmunterungs-Song steckten Wehmut und Optimismus gleichermaßen. Weiters verblüffte Mosley mit seiner Version des Jimi-Hendrix-Klassikers „If 6 Was 9“. Intensiv und überzeugend waren auch Songs wie „Planetary Prince“ (Cameron Graves) und „Lawbyd“. Pure Emotionen strömten bei „Tuning Out“ und „Sleep“ durch den Saal. Zur Lieblingsnummer vieler anwesender Hörer avancierte auch die lässige Nummer „Abraham“ gegen Ende.
Das euphorische Publikum dankte und würdigte den Star des Abends und seine Band angemessen – mit frenetischem Applaus! Es war ein grandioses Konzerthighlight!! ;-)

Fazit:
Jazz vom Feinsten war am 3. Juli im Porgy & Bess zu hören. Das Konzert war so schön, dass man verwundert war, dass Miles Mosley erst jetzt als Solokünstler nach Wien kam. Der Star-Bassist aus Los Angeles und seine Band zeigten sich bestens gelaunt und spielwütig.
Doch bevor es zum umjubelten Auftritt in Wien kommen konnte, waren eine solide Ausbildung und erste Erfolge notwenig. Der nach Miles Davis benannte, 1980 geborene Kontrabassist, Sänger und Komponist gehört zur künstlerischen Elite der jungen Westcoast Jazzszene. Sein Handwerk hat Mosley an der Colburn School of Music in Los Angeles gelernt und wurde von Jazzgranden wie John Clayton, Ray Brown und Al McKibbon unterrichtet. Als einer der begehrtesten Sideman-Künstlern arbeitete er mit unterschiedlichen Kollegen zusammen, seinen Basssound wissen auch Gnarls Barkley, Jeff Beck, Kendrick Lamar, Chris Cornell, Mos Def, India Arie, Lauryn Hill, Terrence Howard, Joni Mitchell, Jonathan Davis (Korn), Rihanna, Kamasi Washington und viele mehr zu schätzen. Nach eigenen Angaben sieht Miles Mosley sein Fundament im klassischen Jazz. Das hindert ihn aber nicht daran über den Genre-Tellerrand hinauszuspielen. Und so fusioniert er gerne modern Jazz mit glühendem Soul, erdigen R&B, mitreißendem Funk, hymnischem Pop und druckvollem Rock.
Auch bei seinem Gig im Porgy & Bess begeisterte Miles die Menschen mit seinem virtuosen Bassspiel und eroberte ihre Herzen der Wiener Fans im Sturm. Die Bühne betrat der charismatische Künstler mit cooler Sonnenbrille, die er erst im Verlauf des Abends zur Seite legte, und dann konnten die Fans dem Star auch in die Augen schauen. Sein rechter Oberarm war wie stets in ein Stück Metallrüstung gezwängt. Am linken Unterarm konnte man sein eintätowiertes Motto lesen: „Basso Agitato fff“. Ausnahme-Könner Miles Mosley beeindruckte nicht nur durch effektvolle Klangvielfalt, sondern auch mit ausdrucksvoller Soulstimme und dramaturgisch feinsinnigen Texten. Von emotionaler Melancholie bis zu eingängigen Rockriffs deckte er ein enormes Spektrum ab – auf dem Album wie im Konzert. Sein akustischer Kontrabass musste an diesem Abend einiges aushält, denn Miles Mosley ist auch ein Freund des Effekt-Pedals. Fette Akkorde, die er auf den dicken Saiten anschlug oder mit dem Bogen spielte, „frisierte“ er mit elektrischen, ausgeklügelten Effekten gehörig auf. Zwischen den Rhythmusattacken gab es aber auch stillere, intensive Momente.
Das Zusammenspiel zwischen Mosley und den WCGD-Kollegen war brillant und machte sich im perfekten Bandsound positiv bemerkbar. Miles Mosley: „Wir spielen alle schon zusammen, seit wir 14 waren. Wir sind ein Teil von West Coast Get Down.“ Seine Bandmitglieder haben aus ihrem Instrument Einzigartiges herausgeholt, und für die zahlreichen Soli gab es zusätzlich tosenden Szenenapplaus. Schlagzeuger Tony Austin präsentierte sich als cooler und souveräner Techniker. Für einen regelrechten Ohrenschmaus sorgte „the one and only“ Cameron Graves am Piano auf der Porgy-Bühne. Die Leidenschaft für gute Musik war bei Ryan Porter auf seiner Posaune und seinem Saxophon in jedem Ton zu hören. Komplettiert wurde die Band vom tollen Philip Dizack auf der Trompete. Ein Sound, der richtig Spaß macht!

MILES MOSLEY – Uprising

VÖ: 19.05.17, Label: Verve (Universal Music)
Übrigens „Uprising“ hat gute Chancen auf den Titel „Album des Jahres“.

Web-Tipp: http://milesmosley.com
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