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EVENTRÜCKBLICK:
WILHELM BUSCH IN WORT UND TON – ein unvergesslicher Abend voll Humor und literarischer Raritäten!

Text und Fotos: Andrea Beckert

Marcus Strahl, der Intendant der Wachaufestspiele in Weißenkirchen, musste wegen der Corona-Krise die für 2020 geplante Produktion „Göttin in Weiß“ auf nächstes Jahr verschieben. Stattdessen organisierte er ein abwechslungsreiches Alternativprogramm im Renaissanceambiente Teisenhoferhof.
Am Abend des 29. Augusts 2020 gab es viel zu lachen, denn die Freiluftveranstaltung im Arkadenhof des Teisenhoferhofs stand ganz im Zeichen von Wilhelm Busch. Doch nicht etwa die Klassiker wie „Max und Moritz“ oder „Die fromme Helene“ standen am Programm, sondern Raritäten seines umfangreichen Schaffens. Um den humoristischen Dichter zu würdigen, präsentierten Publikumsliebling Stephan Paryla-Raky, Bariton Benno Schollum und Pianist Albert Sassmann ihr lustiges Wilhelm Busch-Programm. Prädikat: Ein absolut humorvoller Abend!.
Ein kurzes Vorwort:
Spontane Entscheidungen sind bekanntlich oft die Besten. Am Montag wusste ich noch nicht, dass ich am folgenden Wochenende einen Kurztrip in die idyl-
lische Wachau unternehmen würde, um am Samstag, dem 29. August 2020, ab 20:00 Uhr im Teisenhoferhof in Weißenkirchen herzhaft zu lachen. Und in der Tat: es war eine wunderbare Idee, welche noch lange in freudiger Erinnerung bleiben wird.

Ein begeisterter Rückblick:
Heinrich Christian Wilhelm Busch (* 15. April 1832 in Wiedensahl; † 9. Januar 1908 in Mechtshausen) zählt zu den einflussreichsten humoristischen Dichter, Zeichner und Maler Deutschlands. Er ist heute zu Unrecht fast ausschließlich durch „Max und Moritz“ und „Die fromme Helene“ bekannt. Dies wollten Sänger Benno Schollum, Schauspieler Stephan Paryla-Raky und Pianist Albert Sassmann mit ihrem Programm „Wilhelm Busch in Wort und Ton“ am 29. August ändern.

Nach einer kurzen Begrüßung durch Intendant Marcus Strahl begann der Abend mit lustig-philosophischen Gedanken. In den folgenden Texten und Gesangs-
nummern mit subtilem Humor von Wilhelm Busch steckte oft (Selbst-)Ironie und Autobiografisches, wie sein künstlerisches Scheitern. In den selbstkritischen Überspitzungen und Doppeldeutigkeiten wurden kleinbürgerliche Doppelmoral, Selbstgefälligkeit, Frömmelei und Aberglauben thematisiert. Zu den köstlich-amüsierten Highlights am Busch-Abend zählten unteranderem: „Stiftungslied“, „Wer möchte diesen Erdenball“, „Schein und Sein“, „Der Ruhm“, „Balduin Bählamm, der verhinderte Dichter“, „Die Trud“, sowie „Es spukt“, „Der Kobold“, „Seelenwanderung“ und vor der Pause „Auf Wiedersehen“.
Der zweite Teil führte in „tierische“ („...manchmal ist er auch ein Schwein...“) Bereiche des menschlichen Daseins. Zu Lachnummern wurden: „Es sitzt ein Vogel auf dem Leim“, „Es stand vor eines Hauses Tor“, „Die Affen“ (wenn der Bauer seinem Sohn das Verhalten der Affen im Zoo erklärt und der Sohn vergleichbares Verhalten bei den Leuten sieht), „Es flog einmal ein muntres Fliegl“ und „Die Mücken“.
Purer Genuss für die Lachmuskeln waren auch zwei Kapitel aus „Maler Klecksel“, wo Busch mit bürgerlichen Kunstkenner, dessen Achtung vor allem mit dem steigenden Preis eines Werks zusammenhing, einst abrechnete. Das kongeniale Duo widmete sich auch Geschichten und Verse rund um die Themen Religion, Liebe, Beziehung, gescheiterten Heiratsantrag und Ehe – „Wie schad, dass ich kein Pfaffe bin“, „Die Selbstkritik“, „Lied eines versimpelten Junggesellen“ („Keine Frau befiehlt ihm was, … Schön ist's, Junggeselle sein!...“), „Der alte Narr“ – um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Publikumsliebling Stephan Paryla-Raky ist der geborene Geschichtenerzähler – davon konnten sich die anwesenden Gäste bei diesem Wilhelm Busch Programm selbst überzeugen. Er parodierte unterschiedlichster Charaktere der Busch-
Figuren treffsicher und erhöhte die Wirkung mit Mimik und Gestik. Durch seine kunstvoll eingesetzte Stimmführung wurden einfache Verse schnell zu kleinen Sketche mit Spannung, Drama und viel Humor. Facettenreich rezitierte er Verse, Geschichten und Einleitungstexte aus Wilhelm Buschs spitzer Feder mit Leiden-
schaft und Engagement. Und als es die Rolle verlangte, schlug sich Stephan Paryla-Raky auch mal den Kopf am Tisch – da mussten alle lachen.
Für musikalische Unterhaltung sorgten die von Komponisten Kurt Anton Hueber untermalten Busch-Texte. Bariton Benno Schollum präsentierte die im Chanson-
stil gehaltenen Gesangsverse mit musikalischen Pointen auf charmant-humor-
volle Weise, sodass es eine Freude war, ihm zuzuhören. Tatkräftige Unter-
stützung bekam der Sänger dabei von Albert Sassmann am Klavier.

Mit der Zugabe (drei Lieder jedes mit Wien-, Salzburg- und natürlich Wachau-Bezug) machte das Trio auch noch Gusto auf ihre andere Programme und verabschiedete sich schließlich vom frenetisch applaudierenden Publikum. Der Abend war ein voller Erfolg – für Künstler und Zuschauer gleichermaßen.

Das Publikum war restlos begeistert. Um es mit den Worten von Wilhelm Busch zu formulieren: „Es ist ein lobenswerter Brauch: Wer was Gutes bekommt, der bedankt sich auch.“ Und Samstag Abend war der Dank des Publikums langer euphorischer Applaus. Zum Schluss waren sich alle einig, die zweistündige Vorstellung (inkl. 20-minütiger Pause) war viel zu schnell vorbei.
Übrigens, weiteres Material von Wilhelm Busch gibt es noch genug – vielleicht für einen zweiten Teil! ;-)

Fazit:
Alle nötigen Sicherheitsvorkehrungen, um sowohl Künstler sowie Publikum zu schützen, wurden vom Wachaufestspiele-Team perfekt umgesetzt, das Wetter zeigte sich bis zum Schluss von seiner freundlichen Seite (so manches Stoß-
gebet wurde vom Wettergott erhört, denn das heftige Gewitter kam erst nach Vorstellungsende) – und so stand einem entspannten, fröhlichen Theaterabend in Weißenkirchen nichts im Weg. An diesem humorvollen Samstagabend, dem 29. August 2020, traf Theatervergnügen auf Musikgenuss. Im Mittelpunkt stan-
den eher weniger bekannte, dafür besonders satirische, selbstkritische und humoristische Texte von Wilhelm Busch. Abwechselnd präsentierten Stephan Paryla-Raky und Benno Schollum Kurzgeschichten, Einleitungstexte, Reime und Gesangsverse des humoristischen Dichters. Wilhelm Buschs Texte wurden durch die treffsicheren Interpretationen vom vielseitigen Schauspieler Stephan Paryla-Raky und dem brillanten Bariton Benno Schollum in ihrer Wirkung erhöht. Dies hatte zur Folge, dass die Erwartungen der Besucherinnen und Besucher über-
troffen wurden. Es war ein kurzer, dafür besonderes Vergnügen. Dankeschön!

Tipp:
Weitere kulturelle Tipps finden Sie unter www.wachaufestspiele.com.
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